05.12.2019 - CrossFit TB

05.12.2019

Master of Disaster – alles andere als ein Desaster

«You are not Froning/Dottir and this is not the CrossFit Games! Remember that and have fun!” So stand es im Event Guide. Und so wollte ich meinen ersten CrossFit-Wettkampf ausserhalb von CrossFit TB auch angehen. Zusammen mit Tom (als «Masterrati» in der Kategorie 80+) sowie Stefan und Ruth alias «Ovo und Maltine» (90+) nahm ich am letzten Samstag an der erstmals durchgeführten Master of Disaster Competition teil. In der CrossHall in Arlesheim BL starteten in den Kategorien 80+, 90+ und 100+ total 42 Zweierteams; jeweils eine Frau und ein Mann, welche zusammen dieses Alter erreichen.

«Just for fun» und ohne Druck… Aber spätestens als der Puls schon beim frühmorgendlichen Briefing auf 140 Schläge pro Minute stieg, wusste ich: Bei allem Fun, bei aller Fairness, bei allem Safety First – der Beast Mode würde sich bei mir trotzdem einschalten. Ich würde Gas geben, als gäbe es kein Morgen, geschweige denn noch drei weitere Workouts. Sobald der Countdown lief, hörte ich die Durchsagen des Speakers nur noch in Fetzen oder wie durch Watte, stattdessen meinen eigenen Atem, als sässe mir ein wildes Tier statt einer stummen Dumbbell im Nacken. Ausser Tom nahm ich die Leute um mich herum nur noch als farbige Flecken wahr. Und auch von den angereisten Fans drang nur ab und zu ein Anfeuerungsruf zu mir durch. Merci viel Mal, dass ihr euch die Zeit und den Weg auf euch genommen habt, um uns vor Ort zu unterstützen! Und sorry, dass ich während den Workouts kein Lächeln für euch übrig hatte:-)

Die vier Workouts, die über den Tag verteilt von allen Teams absolviert werden mussten, deckten eine breite Palette an Movements, Skills und konditionellen Fähigkeiten ab. Schon die Namen – «Olympic Acid», «DumbBar-Run», «SyncroShare» und «Sprint Separator» deuteten an, wie sich der Inhalt anfühlen würde. Die Säure in den Muskeln nach Ski Ergometer, Air Bike (fast wie Assault Bike, einfach noch schlimmer:-)) und Rudern machten die Olympischen Lifts noch schwerer, als sie ohnehin schon waren; mit Dumbbells zu rennen drückt definitiv auf Tempo und Lunge; das Teilen machte das Leiden leider nicht weniger; und der Sprint in die Vertikale mit Ball, am Seil und an den Ringen trennte endgültig die Spreu vom Weizen respektive die Äffchen von den Bullen. Jürg, unser Hoffotograf, absolvierte währenddessen ein Ganztages-AMRAP. Sein Score: 3000 Bilder!!!

Wenn ich nicht selber auf dem Competition Floor stand, schaute ich gerne den anderen zu. Es war inspirierend zu sehen, wie die angegrauten (oder haarlosen) Athleten und Athletinnen ihre Komfortzone verliessen, ihre Grenzen und (Höhen)Ängste überwanden (gell, Stefan und Ruth), wie sie miteinander litten und kämpften und sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushten. Für mich persönlich macht CrossFit im Team sowieso immer nochmal mehr Spass als alleine.

Was mich ebenfalls beeindruckte und positiv überraschte, war der Umgang unter der «Konkurrenz». Ich hatte gedacht, dass man in der WarmUp-Area die Ellbogen ausfahren müsste, um auch mal die Hände an die Stange legen zu können, stattdessen half man sich gegenseitig, Gewichte zu laden und entladen, liess sich auch mal den Vortritt, war rücksichts- und respektvoll, und nicht nur das: Man wünschte sich gegenseitig viel Glück und Erfolg, feuerte einander an, freute sich füreinander.

Die Competition war perfekt organisiert: Angefangen beim ausführlichen EventGuide, der eine Woche vor dem Wettkampf verschickt wurde, über die schon frühmorgens hellwachen Volunteers, die stets aufmerksamen und korrekten Judges, die Physios mit den flinken Händen, die in genügender Anzahl vorhandenen und immer sauberen Toiletten, bis zum obligaten Teamfoto am Ende. Alles verlief nach Plan, bis zum letzten Heat im letzten Workout mit schweizerischer Pünktlichkeit auf die Minute genau. In der Athletenzone gab es genügend Platz für all das Material, das Mann und Frau so anschleppt, um einen Tag schwitzen zu können, und dazwischen fand man immer noch ein Plätzchen, um die Beine für einen Powernap zwischen den Events langzustrecken. Das reichhaltige Buffett wurde laufend frisch aufgefüllt, so dass man sich jederzeit den Bauch füllen konnte mit allem, was das Herz, die Muskeln und das Belohnungszentrum begehrten.

Bei aller Professionalität blieb der Event doch sehr persönlich: Manfred «Mäni» Käser, der MOD zusammen mit Nicole Reichmuth und Moritz Becker auf die Beine gestellt hatte, klatschte nach dem letzten Workout mit jedem und jeder einzelnen Athletin ab. Und verkündete zum Schluss, was wohl die meisten Anwesenden gehofft hatten: Der Event wird auch im nächsten Jahr durchgeführt.

Master of Disaster, wir kommen wieder!

Ach ja, ein Ranking gab es natürlich auch: «Ovo und Maltine» verpassten den Sprung aufs Podest als Viertplatzierte (von 14) nur knapp, «Masterrati» kam immer besser auf Touren und fuhr als 6. (von 21) über die Ziellinie. Aber die Hauptsache ist, war und blieb: Wir hatten sehr viel Fun

Workout Of The Day

A1) On the 1:00 x 12 Rounds:
Min 1: 12/9 Calories on the Rower
Min 2: 10 Burpees
Min 3: 6 Deadlifts
3:00 Rest
A2) 3 Rounds for Time:
100 Double Unders
10 Double Dumbbell Power Cleans (30/22.5)